Weiches Watt, tosender Wind und salzige Meeresluft: Unser Kurzurlaub an der Nordsee

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„Der größte Schatz des Meeres […] ist der endlose Quell der Inspiration und des Glücks, den wir daraus gewinnen.“ – Jaques-Yves Cousteau

Es war Ende Juli und eines der wohl heißesten Wochenenden des Jahres stand uns bevor. Patrick und ich saßen im ICE auf dem Weg in den Norden, gespannt was uns in den nächsten Tagen erwarten wird. Das erste Mal ging es für mich nach Itzehoe und damit ganz in die Nähe der Nordsee, wo wir Freunde besuchten, die uns eingeladen hatten mehr von dem sonst so kühlen Norden kennenzulernen. Und kühl, das war es hier diesmal tatsächlich nicht. Die Sonne brutzelte so stark herunter, dass der Asphalt flimmerte als wir in Itzehoe ankamen. Doch durch die stets präsente steife Brise, die uns die Haare um unsere Ohren wehte, fühlte es sich gar nicht so heiß an. Im Gegenteil, es war total angenehm, als wir es uns im Garten unserer Freunde gemütlich machten, um später zu grillen. Generell hatten wir wahnsinniges Glück mit dem Wetter, die Aussichten für das gesamte Wochenende standen super, über 30 Grad und Sonne! Eben richtige Sommertage.

Toller Start ins Wochenende: Abendsonne in der Natur

Und unser Kurzurlaub hatte bereits fantastisch begonnen, da ich (wie ich schon das ein oder andere Mal erwähnt habe) Essen liebe, hat es mich umso mehr gefreut mit einem richtigen Festmahl in das Wochenende zu starten. Es blieben wirklich keine Wünsche offen! Wir hatten pfälzer Leckereien in einer Kühltasche transportieren können, sodass wir sogar regionales Grillgut am Start hatten. Neben den Bratwürsten und Saumagen-Scheiben konnten wir uns an einem griechischen Schafskäse-Auflauf, Datteln sowie Feigen im Speckmantel, Hähnchenspießen und natürlich allerhand Brotauswahl und Salaten satt essen. Ein toller Empfang! Getoppt eigentlich nur noch durch die schöne Atmosphäre, die den Garten unserer Freunde umgab. Denn der liegt mitten im Nirgendwo, mitten im Grünen. Die Wohnung war früher einmal ein Schweinestall und wurde zu einem richtigen Wohlfühlort umgebaut. Der Vorteil: Weit und breit ist wirklich erst einmal gar nichts. Vom Garten aus eröffnet sich Dir der Blick auf grüne Wiesen und damit auf die ersten Eindrücke dieser unendlichen Weiten, die der Norden Dir bietet. Mehr Natur geht wohl kaum, wurde mir bewusst als dann noch on-top ein paar Kühe bis an den Gartenzaun herankamen, um zu grasen. Es ließ sich hier wirklich fantastisch aushalten, sodass wir bis in die Nacht hinein zusammen (s)aßen.

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Wattwandern in St. Peter-Ording

Klebriger Sand unter den Füßen, der diese mit jedem Schritt etwas erschwert, kreischende Möwen über uns und der unbegrenzte Blick über den Horizont hinaus vor uns – ein kleiner Vorgeschmack auf die Erlebnisse des neuen Tages. Denn am Morgen ging es für uns, immer noch papp-satt von dem Grillen am Vorabend, endlich ans Meer. In St. Peter-Ording suchten wir uns einen Parkplatz und liefen noch etwa einen Kilometer bis zum Strand, wo wir wieder einmal Zeugen dieser unfassbaren Naturgewalt unserer Erde wurden. Denn das erste Mal konnte ich die Gezeiten miterleben und durch das von der Ebbe freigelegte Watt wandern, barfuß versteht sich. Die Stunden vergingen super schnell, da wir relativ früh waren war noch wenig los und wir hatten den Strandabschnitt fast für uns. Die Hitze haben wir gar nicht wahrgenommen, das kühle Watt und der Wind waren hier die perfekten Begleiter, die das Ganze zu einem Erlebnis aller Sinne machten. Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Es mag gar nicht so spektakulär klingen: durch Matsch laufen. Aber allein der Gedanke daran, dass vor wenigen Stunden an dieser Stelle noch das Meer stand und kleine Sandbänke auch bald wieder überschwemmt sein werden machten die Wattwanderung irgendwie besonders. Für mich persönlich schon ein Privileg hier nun entlang zu schlendern. Gleichzeitig auch der erneute Beweis dafür, wie vielseitig unsere Natur ist. Für mich als Liebhaber unserer Berge daher auch Neuland aber ebenso faszinierend: Diese Weite! Ein befreiendes Gefühl, entfesselnd, wenn Du nach vorne schaust und es ausschaut als ob nichts mehr vor dir liegt, die Welt unendlich scheint und doch gleichzeitig vor Deinen Augen plötzlich aufhört.

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„Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen“ – Anschließender Strandspaziergang

Noch stärker war dieses Gefühl dann am Nachmittag, den wir dafür nutzen am Strand entlang zu gehen. Zunächst gönnten wir uns ein leckeres Eis in einem Eiscafé, eine Möglichkeit unter vielen in diesem doch sehr auf Touristegn ausgelegten Ort. Denn hier reiht sich eine Lokalität an die nächste. Nach der kleinen Pause machten wir uns über einen langen Holzsteg, der über die Dünen führte, auf ans Wasser. Der Nordseestrand war an diesem Tag zu einem richtigen Badestrand geworden. Gleichzeitig auch erschreckend, dass das Wasser der Nordsee so viel wärmer ist als sonst für die Jahreszeit üblich. Das Laufen durch den Sand, die steife Brise und Meeresluft machen irgendwie immer müde. Daher war ich nicht böse drum, dass wir eine kleine Mittagspause in der Strandbar 54 Nord einlegten. Die relaxte Musik, die dort aus den Lautsprechern drang, half jedoch nicht wirklich dabei wieder fitter zu werden. Gut, dass wir nicht in einem der vielen Strandkörbe Platz genommen hatten, da wäre ich wohl wirklich weggenickt.

Processed with VSCO with a6 presetProcessed with VSCO with a6 presetProcessed with VSCO with a6 presetNach einer Rhabarber-Saft-Schorle und schönen Gesprächen machten wir uns auf dem Weg zurück zum Parkplatz. Am Abend überraschte uns noch ein ziemlich heftiger Platzregen, den die trockenen Böden und Sträucher aber bitter nötig hatten. Wir flüchteten daher noch zu einem Italiener, bei dem wir den Tag bei Pasta und angenehmer Atmosphäre ausklingen ließen.

Über den Wolken – der Flug nach Helgoland

Der vorherige Tag im Watt hatte uns bereits einen Vorgeschmack auf das, was uns an diesem Tag erwarten sollte, gegeben. Denn etwas für mich unheimlich aufregendes stand an: Ein Flug in einer kleinen Maschine, der uns in nur 20 Minuten von Büsum auf die einzige Hochseeinsel Deutschlands, nach Helgoland, bringen sollte. Um 9:00 Uhr standen wir schon startbereit auf dem Flugplatz, die Tickets hatten wir im Vorhinein übers Internet gekauft. Mit über 100€ pro Person definitiv ein stolzer Preis. Das gönnt man sich nicht alle Tage. Kurze Zeit später, nachdem wir schon dem ein oder anderen Segler zu schauen konnten ging es dann auch los. Unsere Rucksäcke wurden hinten verstaut und wir durften zusammen mit einem älteren Ehepaar unsere Plätze einnehmen. Ich wurde etwas nervös, wie immer vor dem Fliegen und vor allem aufgrund der Größe des kleinen Fliegers: Für acht Leute und den Piloten war Platz in der Maschine. Mit dem Start des Motors aber wich die Nervosität und räumte den Platz für das Kribbeln, was sich in mir breitmachte, als wir auf die Startbahn rollten und dabei immer schneller wurden.

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Doch der sonst bekannte Moment, den ich vom „normalen“ Fliegen bzw. Start kenne, blieb interessanter Weise raus. Das Abheben geschah eigentlich fast unbemerkt, was ich vorher nicht gedacht hätte. Doch das Fliegen an sich war schon ein ganz anderes Gefühl als in den großen Jumbo-Maschinen. Du fühlst Dich dem Himmel so viel näher und es ist natürlich auch ein bisschen lauter dennoch ist jegliche Angst im wahrsten Sinne des Wortes super schnell verflogen, es war einfach zu faszinierend, was sich uns darbot! Ein irres Gefühl von Freiheit, was wir erfahren durften… Das Highlight dabei aber: Dieser unfassbare Blick auf das Wattenmeer! Nicht nur die Perspektive, auch das, was sich da unter uns ausbreitete war total neu für mich und irgendwie erstmal gar nicht greifbar. Einfach ein besonderes Erlebnis. Und damit für mich das, was eine Reise, und ist sie auch noch so kurz, ausmacht: dazulernen, entdecken, staunen. So gingen die Minuten viel zu schnell vorüber und ich wünschte, wir hätten noch eine Extra-Runde gedreht.

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Die Besteigung des wohl niedrigsten Gipfels der Welt – Helgoland

Von einer kleinen „Vor-Insel“, auf der sich die Landebahn befindet, ging es für uns dann mit der Fähre rüber nach Helgoland. Eine Insel, die wie ein roter Felsen aus dem Meer ragt. An sich gibt es hier nicht viel zu sehen, was sich aber definitiv anbietet und auch lohnt ist den Rundweg zu laufen, der circa 1 ½ Stunden geht. Informationstafeln begleiten Dich hier und bringen Dir die bewegte Geschichte der Insel und ihrer Bewohner über die Kriegsjahre hinweg näher. Dein Begleiter: Die tolle Sicht in die Ferne – und unzählige Vögel.

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Ein besonderes Gefühl auf das offene Meer hinauszuschauen und weit und breit nichts als Wasser um sich herum zu haben. Wieder einer der Momente, in denen Du Dich winzig klein fühlst. Wir hatten Glück, trotz des Wetters war nicht allzu viel los auf der Insel, sodass wir ganz entspannt umherlaufen konnten. Außerdem ein Highlight: Unsere Gipfelbesteigung – Gipfelkreuz inklusive, das ist klar. Sagenhafte 61,3 Meter haben wir erklommen und natürlich auch einen Gruß im beiliegenden Gipfelbuch hinterlassen. Das war ohne Zweifel der wohl niedrigste aber auch nicht minder schöne Gipfel, den ich je bestiegen habe. Definitiv ein To-Do, wenn man vor Ort ist. Als leidenschaftlicher Bergwanderer sowieso ;).

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Die Insel bietet Dir auf der kleinen Fläche von rund vier Quadratkilometern dennoch eine vielfältige Naturlandschaft: Schöne Dünen, Strand, Sträucher sowie steile Klippen prägen das Landschaftsbild. Man kann sich also nicht beschweren. Auch wirklich empfehlenswert, ist ein Abstecher in einem der zahlreichen Cafés, wo es unfassbar guten Kuchen gibt, der zudem sehr üppig ausfällt. Bevor wir die Insel hinter uns ließen, hatten wir mal wieder Glück und kamen an einem Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger vorbei, welches uns bei einem Tag der offenen Tür willkommen hieß und dessen Besatzung für Fragen und Antworten parat stand. Sehr informativ und mal etwas ganz Anderes, den Seenotkreuzer besichtigen zu können.

Mit dem Schiff zurück aufs Festland.

Am Nachmittag ging es dann mit dem Schiff zurück nach Büsum, was etwa 2 ¼ Stunden dauerte. Für 4,00€ konnten wir es uns in kleinen Klapp-Liegestühlen bequem machen, mit der Meeresluft in der Nase döste es sich daher besonders gut ;). Auf Büsum ließen wir den ereignisreichen Tag noch bei einem Abendessen (lecker Burger) ausklingen und ließen uns dann mit dem Taxi zum Flugplatz fahren, wo unser Auto auf uns wartete.

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So schnell ging dann auch dieser Kurzurlaub vorüber. Solche kleinen „Weekend-Get-Aways“ geben mir total viel und helfen, den Alltag mal für eine Zeit lang hinter sich zu lassen. Ich bin immer wieder erstaunt, was man in kurzer Zeit alles erleben und neu kennenlernen kann.

Was lässt Dich so richtig abschalten? Erzähle es mir gerne in den Kommentaren!

Pass‘ auf Dich auf
Deine Miriam


Hilfreiche Links

Mit dem Flugzeug nach Helgoland

Mit dem Schiff nach Helgoland

Mehr über St. Peter-Ording

Mehr über Büsum

Mehr über Helgoland

Mehr zum Seenotkreuzer


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Ein Kommentar zu „Weiches Watt, tosender Wind und salzige Meeresluft: Unser Kurzurlaub an der Nordsee

  1. Der Beitrag begeistert mich total, danke fürs Teilen deiner Erfahrungen und der Fotos! :) Ich habe genau dieselben Stationen auch schon (mehrmals) besucht und fühlte mich sofort in diese einmalige Landschaft zurückversetzt. Auf Helgoland ist mir noch eine Führung auf der „Insel“ besonders in Erinnerung geblieben, dabei ging es um die dort wachsenden Sanddornbüsche und alte Piratenlegenden :) Nächstes Mal würde ich auch die Maschine zum Übersetzen wählen, klingt echt interessant und die Ausblicke sehen atemberaubend aus! Freut mich, dass dir das Wochenende so viel Freude bereitet hat!
    Viele Grüße
    Iris

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