Von einer 42 Kilometer Wanderung. Oder: Wie Du lernst über Dich hinauszuwachsen

Unbekannt2

Mehr als eine Wanderung: Mein Weg zum Selbstvertrauen

„42 Kilometer? Du machst Witze! Wie soll ich das denn schaffen?“ Mir wurde schlecht, als ich das erste Mal an diese Wanderung dachte. Zu groß erschien mir diese Zahl, die sich wie ein bedrohlicher Riese immer weiter vor mir auftürmte. Doch wie so oft war auch dieser Riese wohl nur ein Scheinriese, der kleiner wurde, je näher ich ihm kam.

Auch wenn es sich bei dieser Mammut-Wanderung offensichtlich um eine körperliche und gleichzeitig nicht gerade entspannte Tätigkeit handelte, galt hier genauso: Veränderung beginnt im Kopf! Denn, wer hätte es gedacht? Knapp neun Stunden, viele viele Kilometer und zwei Blasen später laufe ich erneut auf den Ausgangspunkt des Wandermarathons zu. Zwar total erschöpft mit schwachen Beinen und schmerzenden Füßen, ABER – und das ist ein großes Aber, ich laufe und: Ich habe es geschafft. Ich habe geschafft, was ich vorher für unmöglich gehalten habe. War es schwer? Ja. War es zäh? Ja. Hat es sich dennoch gelohnt? Und wie!

Mithilfe der folgenden drei Dinge, die ich mir immer wieder sage, habe ich es trotz der zu Anfang negativen Gedanken geschafft über mich hinauszuwachsen.

I. KONZENTRIERE DICH AUF DEINE ZIELE, VERGISS MÖGLICHE SCHWIERIGKEITEN

Und das ist ein essentieller Aspekt in der persönlichen Entwicklung. Schnell verfallen wir in einen gedanklichen Teufelskreis, der uns immer wieder die Hürden und Schwierigkeiten vor Augen führt und damit Ängste provoziert. Stattdessen sollten wir unseren Blick viel eher auf die Lösung beziehungsweise im Fall dieser Wanderung, das Ergebnis lenken. Mir hilft es meine Ängste fallen zu lassen und stattdessen voll und ganz im Moment zu leben. Mich auf das konzentrieren, was im Jetzt geschieht. Ich muss Dinge erst einmal ausprobieren, bevor ich sagen kann wie es sich wirklich anfühlt, wie es wirklich laufen wird. Wieso also an eine vermeidliche Qual denken, wenn diese am Ende möglicherweise gar nicht eintritt? Wieso Sorgen um nachlassende Kräfte machen, wenn ich letztlich viel stärker bin als ich annehme? Es ist wohl die Angst vor dem Versagen. Vor dem Scheitern. Und: Unterschätzung. Viel öfter muss ich mir bewusstmachen: Ich kann das! Dinge gar nicht erst zu versuchen, aus Angst es könnte Probleme geben, das ist so ziemlich das blödeste, was ich tun kann. Von daher bin ich noch immer dabei zu lernen mir selbst mehr zuzutrauen, ein langer und nicht gerade einfacher Prozess.
Aber siehe da: Ich habe es tatsächlich geschafft. Dieses positive Erlebnis nehme ich nun mit, als Motivation und kleine Erinnerung dafür, dass immer mehr geht, als ich so oft annehme und Zukunftsängste loszulassen. Es lohnt sich, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

II. DENKE DARAN: FEHLER SIND OK, SIE SIND DAS FEEDBACK DEINES LEBENS

Wenn ich vor einer neuen Herausforderung stehe, stelle ich mir oftmals vorweg die Frage: Was kann denn schlimmsten Falls passieren? Im Fall des Wandermarathons würde das wohl heißen: Ich muss abbrechen, sollte ich einfach nicht mehr können. Und dann? Nichts. Denn es ist völlig in Ordnung. Es hilft mir, Herausforderungen anzunehmen, wenn ich mir gleichzeitig bewusstmache, die Welt geht nicht unter, sollte ich einen Fehler machen oder etwas eben auch mal nicht schaffen. Mit dem Scheitern umzugehen, fällt mir persönlich unheimlich schwer. Ich bin ein sehr perfektionistischer Mensch, mit hohen Ansprüchen an mich selbst. Wenn ich diese in meinen Augen nicht erfülle, oder etwas Vorgenommenes trotz Selbstzuspruch nicht schaffe, dann enttäusche ich mich selbst wahnsinnig damit, bereue es, es überhaupt versucht zu haben. Und genau hieran möchte ich ebenso arbeiten. Denn so oft stehe ich mir damit selbst im Weg. Entscheidungen zu bereuen ist etwas, was Du unbedingt lassen solltest! Jede Erfahrung bringt Dich weiter, sage Dir selbst, dass Du die Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen angegangen bist, es gibt hier keine Fehler bzw. das, was wir als Scheitern betrachten ist ok! Hast Du etwas nicht geschafft, klappt es vielleicht beim nächsten Mal. Denke daran, dass es in jedem Fall einen Sinn hatte und Dich weitergebracht hat. Du lernst Deine Grenzen besser kennen und worauf Du beim nächsten Mal achten solltest. Dieses Stichwort „Lernen“ ist mir persönlich dabei ganz wichtig. Wir müssen nicht alles auf Anhieb können.
Das alles mag keine revolutionäre Neuheit darstellen, aber es hilft als kleine Notiz an mich selbst, mich von vorherigen Sorgen und Hürden, die in meinem Kopf entstehen zu befreien, um Herausforderungen unvoreingenommen gegenüber zu treten.

III. GET OUT OF YOUR COMFORT ZONE, SEI OFFEN GEGENÜBER NEUEM

Egal ob es dabei um neue Abenteuer in fernen Ländern geht, oder um neue Erfahrungen, die direkt vor der Haustür beginnen – wie in meinem Fall des Wandermarathons – sich bewusst mit Unbekanntem auseinander zu setzen, aufgeschlossen sein und die anfängliche Skepsis getrost über Bord zu werfen, hilft mir über mich hinauszuwachsen und aus meiner bekannten „Comfort zone“ auszubrechen. Das erfordert Mut. Und dieses „Mutig-Sein“ beziehe ich auch auf kleine Dinge. Es ist eben bequem, denjenigen Dingen nachzugehen, die man gut kennt. Strecken zu gehen, auf denen man sich auskennt, Dinge zu essen, von denen man weiß, dass sie einem schmecken oder Kleidung zu tragen, bei der man sicher ist, dass sie einem steht. Es ist bequem – aber auch ziemlich langweilig. Es lohnt sich eigentlich immer, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich an Unbekanntes heranzuwagen. Sag ja zu Unbekanntem, sag ja zur Herausforderung, sag ja zum Abenteuer! Nur wer seine Komfortzone verlässt, kann sich weiterentwickeln und eben über sich hinauswachsen. Erfolgserlebnisse motivieren mich nicht nur, sie stärken außerdem mein Selbstvertrauen. Auch im Alltag. Seit ich die ersten Gipfel erklommen, meinen Tauchschein absolviert oder eben diesen Wandermarathon von 42 Kilometern erfolgreich gemanaget habe, traue ich mir auch im (Berufs-) Alltag mehr zu und bin zuversichtlicher. Jedoch gibt es hierbei noch unheimlich viel für mich zu lernen. Selbstvertrauen kommt nun mal nicht von alleine und ich muss noch immer jeden Tag daran arbeiten, mutiger zu sein. Und selbst wenn ich Herausforderungen nicht so bewältigen kann, wie ich es mir vornehme versuche ich es als Erfahrung abzuspeichern, die einen Teil zu dem Menschen beiträgt, der ich heute bin.

Letztlich hatte ich so einen tollen und außergewöhnlichen Tag, den ich nicht mehr missen möchte!

Wie gehst Du mit Herausforderungen um und was hast Du schon von so manch großer Aufgabe gelernt? Erzähle mir gerne in den Kommentaren davon!

Pass‘ auf Dich auf!
Deine Miriam


Lese im Folgenden welche Route wir gelaufen sind.


Tour im Überblick

Beschreibung: Rundweg, Streckentour, aussichtsreich, kulturell, erreichbar per ÖPNV – Schwierigkeit: Schwierig – Strecke: 42 km – Gehzeit: etwa 8-9 Std. – Einkehrmöglichkeiten: Wachenheim, Waldhaus Wolfental, Hardenburg – Markierung: Gelbe Wandermarathon-Markierung – Streckenpunkte: Rathausplatz Wachenheim, Schneckennudel, Schlangenweiher, Hardenburg, Nonnenfels, Rahnfels, P. 405,1, P. Wolfental, Jagdstein. Schau dich nicht um, Murr mir nicht viel, Dicke Eiche, Drei Eichen, Kelter, übers Poppental zurück zum Rathausplatz Wachenheim


Zusammenfassung – Die Strecke und wie es mir dabei erging

Vor einem Monat, am 16. Juni machten Patrick und ich uns zusammen mit gemeinsamen Freunden auf, zur wohl größten Herausforderung des Monats: Dem diesjährigen Wachenheimer Wandermarathon, der vom Pfälzerwald-Verein ausgerichtet wurde. Wir hatten Glück, denn der Himmel war zwar bewölkt aber die Temperaturen waren ziemlich perfekt, nicht zu drückend warm und nicht zu kalt, um die lange Wanderung auf sich zu nehmen.
Die Wanderung als solche war wunderbar abwechslungsreich und schenkte uns nach mehreren wirklich steilen Aufstiegen auch immer wieder tolle Aus- und Anblicke. Besonders schön natürlich die Hardenburg. Aber um ehrlich zu sein konzentrierte ich mich an diesem Tag wenig auf mein Umfeld, die Natur und Sehenswürdigkeiten. Vielmehr aber konzentrierte ich mich auf mich selbst. Nachdem unsere Freunde nach der Hardenburg die Abzweigung nahmen, um den Halbmarathon weiterzugehen, liefen Patrick und ich alleine weiter. Natürlich unterhielten wir uns auf den insgesamt über 42 Kilometern immer wieder. Dennoch war ich oft ganz bei mir selbst. Es war eine körperliche und auch mentale Herausforderung diese lange Tour zu laufen. Wie bereits oben angesprochen, wird vieles hier im Kopf entschieden. Für mich total hilfreich dabei durchzuhalten: Vesper-Pausen. Zweimal legten wir einen ausführlicheren Stopp ein, um unsere Brote, ein wenig Obst und Gemüse zu uns zu nehmen. Nicht nur der Körper konnte dadurch wieder zu Kräften kommen, auch mental hat es geholfen. Denn die Strecke gedanklich aufzuteilen, Etappenweise zu denken hat mich total motiviert und ich habe unsere Essens-Pausen sowie die Streckenposten, an denen es zusätzlich neben ausreichend Wasser auch Bananen, Snacks und Müsliriegel gab, als große Motivation und Hilfe empfunden. Ich musste mich zwingen anfangs nicht wieder an den Riesen zu denken, sondern einfach zu gehen oder zumindest nur Gedanken an das nächste Zwischenziel auf der Strecke zuzulassen. Besonders nach etwa 30 bis 35 Kilometern wurde es ganz schön happig. Die Beine und Füße begannen zu schmerzen und schwer zu werden und es fiel mir nicht leicht, nicht mit dem Jammern zu beginnen. Natürlich konnte ich mir ein paar klagende Worte nicht verkneifen aber ich wollte nicht zulassen, dass negative Gedanken Oberhand gewannen und das zerstörten, was ich bisher erreicht habe. Es hieß also Zähne zusammenbeißen, bis wir schließlich das Poppental erreichten und langsam, humpelnd aber sicher wieder in den Ort zurück kamen.

Impressionen

Auf dem Weg zur Schneckennudel
Durch den Wald zur Schneckennudel
Kleiner Höhenweg
Kleiner Höhenweg
Steinmännchen und tibetische Fahnen
Steinmännchen und tibetische Fahnen
Blick auf den Pfälzer Wald
Blick auf den Pfälzerwald
Die Schneckennudel
Die Schneckennudel
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Die Hardenburg
Blick auf die Hardenburg
Blick auf die Hardenburg
Waldimpression
Waldimpression
Forstweg
Forstweg
Auf dem Rückweg
Auf dem Rückweg
Vorbei an "Murr mir nicht viel"
Vorbei an „Murr mir nicht viel“, einer alten Ruine
Drei Eichen Hütte
Drei Eichen Hütte
Wandermarathon_2018_Plan
Plan des Wandermarathons 2018 (Quelle: http://www.pwv-wachenheim.de/5_Wandermarathon.html)
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Überblick der gesamten Route

Wissenswertes

 Wandermarathon

Der Wandermarathon wird vom Pfälzerwald-Verein ausgerichtet. Er findet einmal jährlich statt und führt die Teilnehmer auch abseits üblicher Wanderwege, weshalb er auch für Ortsansässige und -kenner definitiv lohnenswert ist. Die Teilnahmegebühr beträgt 5€ pro Person und beinhaltet Verpflegung an jeweiligen Streckenpfosten mit Wasser, Obst und kleine Snacks wie Salzbrezeln oder Getreideriegel. Mit dem Bezahlen der Startgebühr bekommen die Teilnehmer einen Pass, auf welchem die verschiedenen Streckenpunkte nachvollziehbar sind und abgestempelt sowie Zeiten eingetragen werden. Nach erfolgreicher Teilnahme bekommt jeder außerdem eine persönliche Teilnehmerurkunde.

Hilfreiche Links

Mehr Infos über den Wandermarathon 

Über Wachenheim 

Zum Pfälzerwald-Verein 


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5 Kommentare zu „Von einer 42 Kilometer Wanderung. Oder: Wie Du lernst über Dich hinauszuwachsen

    1. Lieber Manni,
      vielen Dank für Deinen netten Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!
      Die Wanderung war auch wirklich eine große Herausforderung. Dennoch hat sie erneut gezeigt, dass man manchmal „einfach machen“ muss :)
      Mit den richtigen Gedanken kann es jeder schaffen. Man muss es nur wollen.
      Liebe Grüße
      Miriam

      Gefällt mir

  1. Es ist doch immer wieder erstaunlich welche Strecken man zu Fuß zurücklegen kann!
    Mein Weg zur Arbeit beträgt ziemlich genau 42 km. Ich fahre diesen manchmal mehrmals die Woche mit dem Auto ohne mir großartig darüber Gedanken zu machen. Die Landschaft rauscht an einem vorbei und Du spürst weder Temperaturunterschiede noch hörst Du irgendetwas um Dich herum.
    Aber im Wald erlebst Du diese 42 km auf viel intensivere Weise. Du spürst den Wind, frische Brisen oder warme Lüftchen. Hörst die Vögel singen oder den Specht klopfen. An jeder Ecke raschelt das Laub weil sich wieder eine sich sonnende Eidechse vor Dir in ihr Versteck flüchtet.
    Jeder dieser mehr als 61.000 Schritte bringt Dir ein Gefühl des Glücks. Das Glück, Teil dieses wundervollen Planeten mit seiner unglaublichen Schönheit zu sein.
    Für mich ist es das Besondere an solch langen Touren. Sich mit jedem Schritt genau das bewusst zu machen und das Leben -vielleicht auch wegen der schmerzenden Beine ;)- so intensiv zu spüren.

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